Der Blick auf eine Münze, auf einen Geldschein oder den Kontoauszug findet im Anschauen Zahlen und Schrift, aber das ist immer nur eine Hälfte eines damit verbundenen sozialen Aktes, der nur als Ganzes seinen Sinn offenbart.
In einigen sozialen Akten wird auch heute „Geld“ genutzt, in anderen nicht. Wäre dann „Null“ der Blick auf die Gesamtheit der sozialen Akte mit der Fragestellung, wie daraus so etwas wie „Geld“ auftaucht? Geld im „status emergendi“?
Ein Teil der sozialen Akte bezieht sich auf die Versorgung der Societas/Gemeinschaft mit den Mitteln, die das Leben der Leiber erhalten, indem für die erwartbar immer wieder auftauchenden leiblichen Bedürfnisse Mittel geschaffen werden, die diese eine Weile stillen.
Diese Mittel stammen aus der Energie der Sonne und der Natur der Erde. Sie sind in der Natur ein Common für alle Lebewesen, werden von ihnen entnommen und gleich verzehrt oder noch zubereitet, damit sie dem Stillen dienen können.
Auch in der Gemeinschaft bleiben sie ein Common, zu dem von den Mitgliedern nach Vermögen beige-tragen und an dem nach Bedarf partizipiert wird. Vorteilsnahmen finden statt. Die Verteilung wird kraft Autorität nach Weisheit oder auch nur Stärke organisiert.
Eigentum am Common gibt es nicht, insofern kann niemand etwas davon innerhalb der Gemeinschaft verschenken oder Tauschen. Zwischen friedlichen Nachbarn kann ein Tausch stattfinden, als Ausgleich von unterschiedlichen Überschüssen hier und dort.
Eine Person kann aus der Natur etwas entnehmen, und sich durch seine Fähigkeiten aneignen, indem sie beispielsweise aus Weidenruten einen Korb flicht. Den kann sie dann verschenken, tauschen oder auch zum Common beitragen.
Eigentum, angeeignet durch eigene Tätigkeit und Fähigkeit, ermöglicht das Tauschen mit anderen und das Schenken an andere, die diese Fähigkeit nicht haben. Die Geste des Aneignens steckt auch in Raub und Diebstahl.
Die soziale Geste der Gemeinschaft besteht zunächst darin, für den Eigenbedarf der Gemeinschaft tätig zu sein. Dabei werden unterschiedliche Fähigkeiten durch unterschiedliche Zuteilung der Aufgaben berücksichtigt. Entstehende Überschüsse können mit anderen Gemeinschaften geteilt werden. Die Überschüsse können aus natürlichen Ursachen herrühren, aber auch aus Steigerungen der Effizienz und Effektivität der Tätigkeiten.
Ein neuer Schritt ist das gezielte Tätigsein von Ge-meinschaftsmitgliedern für externe Bedürfnisse ohne den Umweg über Überschüsse . Die Fähigkeit, haltbare Fußbekleidung herzustellen kann sich herumsprechen. Der Bedarf in der eigenen Gemeinschaft ist bald gedeckt, aus anderen Gemeinschaften kommen Tausch-Angebote.
Die gezielte Arbeit für andere wird zur Einkommensquelle für vordem eigenversorgende Gemeinschaften, je stärker die Differenzierung der individuellen Tätigkeiten voranschreitet und ein breiteres Güterspektrum hervorbringt.
Der Austausch der Güter wird bei steigender An-zahl und Differenzierung schwieriger. Den zu fin-den, der hat, was man braucht und braucht, was man hat, wird schwieriger. Dies wird in der Literatur gerne als Entstehungspunkt des Geldes angegeben.

Es gab jedoch drei Möglichkeiten, den Tausch als Naturaltausch, ohne Geld zu ermöglichen:

  1. Das Hinzunehmen eines Dritten, dessen Gut vermittelnd eingesetzt werden konnte .
  2. Das Einrichten von Märkten, auf denen leichter der passende bilaterale „Match“ oder der hinzunehmenbare Dritte gefunden werden konnte.
  3. Die Verwendung eines Gutes, das praktisch jeder gebrauchen konnte .

Hier ergibt sich die Möglichkeit einer Null-Definition von „Geld“ in der alle drei obigen Optionen enthalten sind:


Geld ist der Tauschgeste nach das eigene Gut, das man weggibt, um das Gut eines anderen zum Konsum zu erhalten, oder es wiederum als Geld zu nutzen.

Die Funktion realisiert sich in der Hingabe. Ohne Hingabe wird das Gut oder die Zwischenware kein Geld; es existiert als nicht konsumiertes Gut. Nur in der Hingabe ist es Geld. Die Funktion ist nicht die Stillung eines eigenen Bedürfnisses, sondern der Eigentumswechsel eines fremden Gutes.

Die allgemeine Zwischenware hat die Hinzunahme eines Dritten nicht abgelöst und Märkte nicht überflüssig gemacht. Wenn man die Zwischenware nicht selbst herstellen konnte, musste man sie von einem Dritten zu erhalten suchen, um bei dem Zweiten einzukaufen. Den Bedarf an Zwischenware deckte man durch Verkauf eigener Güter oder das Leisten von Diensten .
Die Marktnutzung wurde zeitlich optimiert, weil ein Tauschpartner schneller gefunden werden konnte. Die Zwischenware wurde funktional weiter entwickelt, indem ihr für eine längere Zirkulation die Verderblichkeit genommen wurde. Damit verlor sie die Konsumierbarkeit. Brot wurde zu unverdaulichen Steinen.

Mit der Wahl eines Edelmetalls als Geldstoff wurde dessen Wert der Bezugspunkt aller anderen Güter und Dienste.
Der Tausch wurde dadurch erleichtert, weil
a) die unterschiedlichen Werteskalen vereinheitlicht wurden und
b) die Einheit der Skala durch die Münzprägung gleichzeitig Zahlungsmittel wurde.

Der Preis machte alle Güter einfach vergleichbar.
Diese Tatsache kann in ihrer vereinheitlichenden Wirkung nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie findet ihre Bestätigung in der globalen Karriere der Münzen im Handel, obwohl es sich um Lokalwährungen handelte .


Der Tausch dissoziierte sich zeitlich in Verkauf und Kauf. Dazwischen vermittelte das Zahlungsmittel.
An die Stelle einer metallurgischen Untersuchung und des Abwiegens von Barren ist das Zählen von geprägten standardisierten Einheiten getreten.

Blick auf das Zahlungsmittel Münze

Durch die Aufbewahrung von Münzen in sicherem fremden Hause kommen Listen ins Spiel, in denen festgehalten wird, wieviele Münzen in einer gemeinsamen Kasse den Einlegern zustehen.
In diesen Listen konnte bargeldlos durch Um-schreiben von Beträgen ohne Zählen gezahlt wer-den.
Blick auf Münzen in fremdem Hause
Aus der gemeinsamen Kasse konnte der Depotführer zunächst nur seine eigenen Münzen als Darleihe in den Markt geben. Später wurde ihm auch erlaubt, nur einen Bruchteil (Fraction) der Münzen als Reserve für Auszahlungen zurückzubehalten.
Dann wurde die Kasse und die Inventarlisten in die Bilanz des Bankers integriert. Die Annahme fremder Gelder war nicht mehr eine Aufbewahrung, sondern eine Darleihe an die Bank. Die Forderung des Kunden auf seine Münzen wurde als Verbindlichkeit der Bank festgehalten .


Blick auf Stellvertreter


Geldpapier kommt in den Umlauf, das die jederzeitige Einlösung gegen Münzen verspricht. Auch wenn einige ausgebende Banken das Versprechen nicht halten und bankrott gehen, lässt die mit Geldscheinen verbundene bequemere Handhabung das Risiko immer wieder vergessen.


Blick auf Substitut


Papiergeld, das kein Stellvertreter ist, wird von Regierungen herausgegeben mit dem Zwang, es zu akzeptieren. (Fiat Money)


Blick auf die Handhabung


In der Zirkulation, dem Umlauf von Hand zu Hand wird ein physisches Etwas, ein „Token“ weiter gegeben. Dieser Token kann eine Metallmünze mit Metallwert sein, eine Münze ohne Wert, ein Stellvertreter, der das verbriefte Recht ist, Münzen zu erhalten, ein Substitut ohne dieses Recht, aber mit dem Zwang es annehmen zu müssen.


Blick auf die Bücher


In den Büchern wird von einem Konto etwas subtrahiert und auf einem anderen Konto addiert. Die Bedeutung der Zahl ist die Schuld der buchführen-den Instanz (Bank) gegenüber dem Kontoinhaber, ihm entweder das Zahlungsmittel, das er darlehensweise der Bank überlassen hat teilweise oder ganz in Bargeld auszuhändigen, oder den Zahlungsverkehr durch Überweisung der Schuld an eine andere Person im selben Hause oder einer andern Bank zu erledigen bis nichts mehr von der Schuld verbleibt.
Der Tausch konnte durch das Zwischengut zeitlich in Verkauf und Kauf getrennt werden. Dazwischen vermittelte das Zahlungsmittel. Um die Zeitspanne länger zu machen, musste dem Zahlungsmittel die Verderblichkeit und damit die Konsumierbarkeit genommen werden. Aus dem Tauschmittel Getreide wurden unverdaubare ‚Steine‘.


Das Leisten eines Dienstes war keine Ware, wurde aber Mittel, zu der Ware zu kommen, mit der später eingekauft werden konnte (facio ut des).
An die Stelle einer metallurgischen Untersuchung und des Abwiegens von Barren ist das Zählen von geprägten standardisierten Einheiten getreten. Das Schreiben auf Münzen wurde ergänzt durch das Schreibende Festhalten des Rechts auf sie in Inventarlisten der Depots oder als „herausgerissener“ Posten daraus auf Bankenzettel für den Umlauf. Die händische Weitergabe ersparte das Umschreiben der Inventarliste.